Abschied von Asien

Mit feinem Gespür für Atmosphäre und historische Entwicklungen beschreibt Bernhard Kellermann seine letzte Reise durch Asien in den 1920er Jahren. Zwischen Peking und Charbin erlebt er ein Land im Umbruch: Auf den Straßen herrscht politische Unruhe, in den Häfen brodelt der Handel, und auf den Schienen rauscht die Zukunft heran. Sein Abschied von Asien ist kein sentimentaler Rückblick, sondern ein scharfer Blick auf Macht, Kolonialismus und kulturellen Wandel – ein literarischer Reisebericht, der die dramatische Zwischenkriegszeit in eindrucksvollen Bildern festhält. Ein faszinierendes Zeitdokument, das Reise, Politik und Geschichte auf... alles anzeigen expand_more

Mit feinem Gespür für Atmosphäre und historische Entwicklungen beschreibt Bernhard Kellermann seine letzte Reise durch Asien in den 1920er Jahren. Zwischen Peking und Charbin erlebt er ein Land im Umbruch: Auf den Straßen herrscht politische Unruhe, in den Häfen brodelt der Handel, und auf den Schienen rauscht die Zukunft heran.

Sein Abschied von Asien ist kein sentimentaler Rückblick, sondern ein scharfer Blick auf Macht, Kolonialismus und kulturellen Wandel – ein literarischer Reisebericht, der die dramatische Zwischenkriegszeit in eindrucksvollen Bildern festhält.

Ein faszinierendes Zeitdokument, das Reise, Politik und Geschichte auf besondere Weise verbindet.



Dairen. Das einstige russische Dalni. Die Russen hatten seinerzeit offenbar vor, hier eine Art asiatisches San Francisco zu gründen, so großzügig ist das Schema der Stadt angelegt, in das die japanische Siedlung nur langsam hineinwächst. Die Hauptstraßen sind so breit, dass ein Dutzend Automobile bequem nebeneinanderfahren kann. Kais, Docks, Zoll- und Warenschuppen – alles funkelnagelneu – verschwenderisch und weitblickend angelegt, eine vermutliche Entwicklung von fünfzig Jahren vorausnehmend. Der Naturhafen herrlich, von zwei Inseln und Vorgebirgen blockiert, leicht mit Minenketten abzudichten, leicht zu verteidigen. Die Japaner, Erben des russischen Scharfblicks, lachen sich ins Fäustchen.

Noch ist Dairen natürlich nicht fertig. Aber gerade in der Unfertigkeit verrät sich klar die Anlage, Absicht und Ziel. Dairen ist die Basis Japans in Asien, eine Basis aus Eisenbeton, ausgebaut mit allen Erfahrungen der alten und der neuen Welt, eine Festung von weltpolitischer Bedeutung, wie etwa Singapore und Gibraltar. Von ihren Zinnen aus kann man guten Muts sogar etwas herausfordernd die Blicke schweifen lassen über das ungeheure, fruchtbare Land der Mandschurei, die drei östlichen Provinzen, Schönking, Kizin, Holungkiang. Ein Land, ungefähr doppelt so groß wie Japan selbst, von dreißig Millionen Menschen bewohnt, fähig, hundert Millionen zu ernähren.

Ein großes Ziel!

England freilich hat erklärt, dass es die drei östlichen Provinzen als einen untrennbaren Teil Chinas betrachte. Japan lächelt. Siehe zum Beispiel, um nur ein ganz kleines Beispiel zu nennen: Ägypten.

Japan weiß, dass es in der Mandschurei verhasst ist. Aber, um nur ein ganz kleines Beispiel zu nennen, sind vielleicht die Engländer in Ägypten beliebt?



Bernhard Friedrich Wilhelm Kellermann (*4. März 1879 in Fürth; †17. Oktober 1951 in Klein Glienicke bei Potsdam) war ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Abgeordneter. Sein bekanntestes Werk ist der Roman Der Tunnel (1913), ein internationaler Bestseller, der millionenfach verkauft, in 25 Sprachen übersetzt und mehrfach verfilmt wurde.

Kellermann studierte zunächst an der Technischen Hochschule München, später Germanistik und Malerei. Schon mit seinen frühen Romanen Yester und Li (1904) und Ingeborg (1906) gelang ihm der Durchbruch. Es folgten Reiseberichte aus den USA und Japan, die seine Beobachtungsgabe und literarische Vielfalt unter Beweis stellten.

Der Erste Weltkrieg prägte ihn tief: Als Kriegsberichterstatter veröffentlichte er Reportagen vom Frontgeschehen. Mit seinem gesellschaftskritischen Roman Der 9. November (1920), der den Umbruch am Ende des Krieges thematisiert, zog er sich den Hass der Nationalsozialisten zu – das Buch wurde 1933 verboten und verbrannt, Kellermann aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen.

Nach 1945 engagierte er sich in der jungen DDR stark für kulturelle und politische Fragen. Gemeinsam mit Johannes R. Becher gründete er den Kulturbund, wurde Abgeordneter der Volkskammer und Vorsitzender der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft. Für seinen Roman Totentanz erhielt er 1949 den Nationalpreis der DDR. In Westdeutschland hingegen geriet sein Name durch Boykottaktionen weitgehend in Vergessenheit.

Kellermann war zweimal verheiratet: 1915 mit der US-Amerikanerin Mabel Giberson (†1926) und ab 1939 mit Else „Ellen“ Michaelis, die nach seinem Tod seine Werke herausgab.

Bernhard Kellermann hinterließ ein vielseitiges Werk aus Romanen, Erzählungen, Reisebüchern und Reportagen. Er ruht auf dem Neuen Friedhof in Potsdam.

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  • Autor find_in_page Bernhard Kellermann
  • Verlag find_in_page EDITION digital
  • Veröffentlichung 14.10.2025
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  • ISBN 9783689126032

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