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Analyse der Nachrichtennutzung von Jugendlichen und Fragmentierungseffekte in politischen Öffentlichkeiten

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Wie informieren sich Jugendliche in Zeiten von Social Media über Politik? Partizipative Demokratien brauchen informierte, interessierte und mündige Bürger:innen (Barber 2003). Diese wiederum sind auf medial vermittelte Öffentlichkeiten angewiesen, um sich über die politische und gesellschaftliche Realität zu informieren (Wagner/Gebel 2014). Digitalisierung, Social Media und Algorithmen haben jedoch unsere Medienwelt, politische Öffentlichkeiten und Nachrichtennutzung tiefgreifend verändert. Daraus resultieren unterschiedliche theoretisch mögliche Fragmentierungstendenzen für Öffentlichkeiten, wie Echokammern, Filterblasen oder... alles anzeigen expand_more

Wie informieren sich Jugendliche in Zeiten von Social Media über Politik? Partizipative Demokratien brauchen informierte, interessierte und mündige Bürger:innen (Barber 2003). Diese wiederum sind auf medial vermittelte Öffentlichkeiten angewiesen, um sich über die politische und gesellschaftliche Realität zu informieren (Wagner/Gebel 2014). Digitalisierung, Social Media und Algorithmen haben jedoch unsere Medienwelt, politische Öffentlichkeiten und Nachrichtennutzung tiefgreifend verändert. Daraus resultieren unterschiedliche theoretisch mögliche Fragmentierungstendenzen für Öffentlichkeiten, wie Echokammern, Filterblasen oder personalisierte Nachrichtennutzung über ganz unterschiedliche Themen. Diese Formen der Fragmentierung sind noch zu wenig erforscht bzw. sind die empirischen Ergebnisse widersprüchlich (Stark et al. 2020). Jugendliche und junge Erwachsene stehen als Social Natives und politisch noch weniger kompetente Bürger:innen zwar im Zentrum der politmedialen Debatte, jedoch fokussiert sich die entsprechende Forschung weitgehend auf Erwachsene (Heiss/Knoll/Matthes 2019; Lemish 2021).



Die vorliegende Studie legt eine umfassende Analyse der jugendlichen Nachrichtennutzung vor und leistet daher einen wichtigen Beitrag zur Schließung dieser Forschungslücke. Mit ihrem innovativen Mixed-Methods-Forschungsdesign aus qualitativen, Foto-elicited-Interviews und Think-Aloud-Protokollen einerseits sowie einem Mobile Experience Sampling andererseits beantwortet sie die erkenntnisleitenden Forschungsfragen: Wie verstehen Jugendliche das Konzept ›(aktuelle) Nachrichten‹? Wie konsumieren Jugendliche Nachrichten? Welche Informationsquellen verwenden Jugendliche? Wie viele und welche Inhalte nehmen Jugendliche wahr und wie stark überlappen diese mit der medialen Berichterstattung?



Die Untersuchung zeigt, dass die Transformation der Medienwelt durch die wachsende Algorithmisierung keine Fragmentierungstendenzen der politischen Öffentlichkeit in Bezug auf die verwendeten Informationsquellen oder die wahrgenommenen Nachrichteninhalte nach sich zieht. Insofern sind entsprechende Krisendiskurse deutlich zu alarmistisch und vor allem Jugendlichen gegenüber zu defizitorientiert. Reitmair-Juárez zeigt jedoch, dass die News-Find-Me-Einstellung der meisten Jugendlichen Herausforderungen für ihre politische Information und somit für ihre Partizipationsmöglichkeiten als mündige Bürger:innen mit sich bringt. Die Problematik besteht demnach weniger darin, dass die Jugendlichen sich über unterschiedliche Nachrichtenthemen informieren, sondern darin, dass sie dies oberflächlich, vereinzelt und teils verspätet tun. Besonders die mangelnde Bereitschaft, sich zielgerichtet und bewusst über politische Ereignisse zu informieren, ist aus demokratiepolitischer Sicht problematisch. Basierend auf diesen Ergebnissen diskutiert die Studie Anknüpfungspunkte für eine konstruktive Weiterentwicklung politischer Bildung und Medienbildung in Österreich, wo das aktive Wahlalter bei 16 Jahren liegt.



Susanne Reitmair-Juárez ist Post-Doc am Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck in Österreich. Sie ist Mitglied in der Forschungsgruppe Politische Bildung sowie Sprecherin der Sektion Politikdidaktik der ÖGPW (Österr. Gesellschaft für Politikwissenschaft). Reitmair-Juárez studierte Politikwissenschaften an der Universität Salzburg. 2021 bis 2024 promovierte sie an der Universität Innsbruck mit einem Stipendium des Tiroler Landtags im Forschungsbereich Politische Bildung. In ihrer Forschung untersucht sie das Verhältnis von Jugendlichen zur Politik, insbesondere wie sich Jugendliche über Politik informieren und wie sie mit Desinformation und KI-generierten Inhalten umgehen, sowie den Transfer von Forschungsergebnissen in die Unterrichtspraxis. Dabei wendet sie vorwiegend qualitative und Mixed-Methods-Forschungsdesigns an.



Inhalt

1. Einleitung

2. Stand der Forschung

2.1 Vorstellungen zu und Nutzung von Nachrichten im 21. Jahrhundert

2.1.1 Veränderte Nachrichtenwelt – verändertes Nachrichtenverständnis?

2.1.2 Bewusste oder zufällige Nachrichtennutzung?

2.1.3 News Find Me – oder auch nicht

2.1.4 Political Talk als Informationsquelle für junge Menschen

2.2 Politische Öffentlichkeit in Zeiten der ›Plattformenöffentlichkeit‹

2.2.1 Bedeutung von Echokammern und Filterblasen

2.2.2 Mögliche Dimensionen der Fragmentierung politischer Öffentlichkeit

2.2.3 Fragmentierung des Publikums entlang genutzter Informationsquellen

2.2.4 Mögliche Fragmentierung der medialen Agenda durch Intermediäre

2.3 Überblick über den Forschungsstand und Beitrag dieser Studie

3. Theoretischer Rahmen

3.1 Partizipative Demokratietheorien als Ausgangspunkt

3.2 Funktionen von Öffentlichkeit(en) für partizipative Demokratien

3.3 Auswirkungen der Plattformöffentlichkeiten auf Nachrichtennutzung

3.4 Unterschiedliche Logiken von traditionellen Nachrichtenmedien und Intermediären

3.5 Mögliche Fragmentierung durch verschiedene Nachrichtenrepertoires

3.6 Mögliche Fragmentierung der Themenhorizonte

4. Forschungsdesign und Methoden

4.1 Reflexion zum Forschungsdesign

4.2 Begründung der Fallauswahl: Österreich als Sonderfall für jugendliche Partizipation

4.3 Rekrutierungsprozesse für die Datenerhebungen

4.4 Beschreibung des Interviewsamples

4.5 Beschreibung des Mobile-Experience-Samples

4.6 Interviewprozess und Datenanalyse

4.7 Mobile-Experience-Sampling-Methode und Datenanalyse

4.8 Datenschutz und Incentivierung der Teilnehmer:innen

4.9 Erstellung und Analyse des Mediendatensatzes

5. Wie verstehen Jugendliche ›(aktuelle) Nachrichten‹?

5.1 Funktionen von Nachrichten

5.2 Kriterien zur Themenauswahl von Berichterstattung

5.3 Bedeutung der Quelle zur Einschätzung des Nachrichtenwerts

5.4 Einfluss des Lebensweltbezugs auf den Nachrichtenwert

5.5 Wie verstehen Jugendliche also ›(aktuelle) Nachrichten‹?

6. Wie beschreiben Jugendliche ihre Nachrichtennutzung?

6.1 Verunsicherung und Vertrauensverlust als Herausforderung für Jugendliche

6.2 Nachrichtenkonsum der Jugendlichen im Medienalltag

6.2.1 Motivationen der Jugendlichen zur Nachrichtennutzung

6.2.2 Routine oder Zufall? Informationsgewohnheiten der Jugendlichen

6.2.3 Strategien der Informationsgewinnung und -überprüfung

6.2.4 News engagement – (un)sichtbare Auseinandersetzung mit Nachrichtenthemen

6.3 Wie konsumieren Jugendliche also politische Nachrichten?

7. Woher beziehen Jugendliche ihre Nachrichten?

7.1 Überblick über Nachrichtenrepertoires der Jugendlichen

7.2 Informationsquellen in der täglichen Praxis von Jugendlichen

7.3 Wie kommen Nachrichten nun also zu den Jugendlichen?

8. Wie viele und welche Nachrichtenthemen kommen (nicht) bei Jugendlichen an?

8.1 Wie viele Nachrichtenthemen nehmen Jugendliche bewusst wahr?

8.2 Welche Themen(kategorien) werden am häufigsten von Jugendlichen wahrgenommen?

8.3 Kongruenz medialer Berichterstattung und jugendlicher Nachrichtennutzung

8.4 Wie stark überschneiden sich die Themen der Jugendlichen mit der medialen Agenda?

9. Ergebnisse der Studie und Beitrag zur Forschung



Literatur

Anhang



Der Anhang steht unter https://doi.org/10.1453/2026_9783869627731_­anhang.pdf zum Download zur Verfügung.

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  • SW9783869627748110164

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  • Artikelnummer SW9783869627748110164
  • Autor find_in_page Susanne Reitmair-Juárez
  • Autoreninformationen Susanne Reitmair-Juárez ist Post-Doc am Institut für… open_in_new Mehr erfahren
  • Verlag find_in_page Herbert von Halem Verlag
  • Seitenzahl 208
  • Barrierefreiheit
    Aktuell liegen noch keine Informationen vor
  • ISBN 9783869627748

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